Extra Sightseeingtour um den Zuckerhut
Der Anflug von São Paulo auf den Flughafen Santos Dumont auf der Piste 02 ist spektaku
lär – quasi eine Gratis-Sightseeingtour als Willkommensgeschenk. Erst die Berge, die Bucht, das Meer, der Zuckerhut. Ein Traum! Doch blickt man beim Anflug auf die Landebahn, stockt einem der Atem – es sieht aus, als würde der Flieger direkt im Meer landen, vom Cockpit aus kann man den anspruchsvollen Landeanflug im Film erleben. Die Piste 02 ist nur 1.323 Meter lang und berührt an beiden Enden die Baía de Guanabara. Eine Landung auf einem Gleitpfad wie sonst üblich ist unmöglich, da sich der 400 Meter hohe Zuckerhut knapp vier Kilometer vor der Landebahn befindet. Die Piloten mü̈ssen im Gegenanflug nah an die Felskette heranfliegen, um dann nach einer engen Linkskurve zu landen. Der kleinste Fehler des Piloten – und die Wasserlandung ist unausweichlich! Bisweilen ist das auch passiert, etwa im Jahr 2010, als ein Taxiflieger im Atlantik landete. Taxis, die Militärpersonal zur Basis direkt neben der Piste bringen, sind schon auf die Landebahn 02 abgedriftet. Die Straße führt direkt hinter der Piste vorbei, wer die Fahrt nicht perfekt timt, wird von der Kraft der Turbinen durch die Luft gewirbelt. Obwohl 300 Meter vor der Piste Warnschilder das Areal als Sicherheitszone ausweisen, tummeln sic
h Neugierige immer wieder in der Nähe der Piste, um die Landungsmanöver aus der Nähe zu beobachten.
Von der Landebahn selbst sollte man sich allerdings fernhalten. Der Flughafen ist eine regelrechte Aussichtsplattform, auf der einen Seite der Zuckerhut, die Christusstatue, die Marina da Glória, auf der anderen die Brücke Rio–Niterói. Manche Besucher spazieren hier, als wäre es Sonntag, nur das ohrenbetäubende Röhren der Turbinen passt nicht so ganz.
Eine Geschichte aus „111 Orte in Rio de Janeiro, die man gesehen haben muss“, mehr Geschichten auf diesem Blog „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Krokodile, Affen und Co. in der Olympiastadt
Die sexiest Stimme Brasiliens
Wer das erste Mal in einer Wartehalle am internationalen Flughafen von Rio de Janeiro den Durchsagen lauscht, wird schwerlich dieser Stimme keine Aufmerksamkeit schenken, tief rauchig haucht die Ansagerin die Worte „Vol“ (Flug), Rio de Janeiro, Maus oder Paris ins Mikrofon. Die sexy Stimme beeindruckt seit Jahrzehnten Fluggäste, ganz besonders männliche nachhaltig, sie gehört Íris Lettieri, heute weit über 70 Jahre alt.
Íris Lettieri arbeitete zunächst beim Radio, war eine der ersten weiblichen Nachrichtensprecher Brasiliens beim Fernsehen, sprach Werbespots und spielte in Fernsehfilmen mit. 1977 mitten in einem sehr turbulenten Leben mit wenig Privacy nach drei gescheiterten Ehen traf Iris eine rigorose Entscheidung: Sie kündigte beim Fernsehen, nahm das Angebot als Ansagerin am Flughafen an und wurde zur offiziellen Stimme vom am Flughafen in Rio de Janeiro.
In all den Jahren, in denen sie zum Abflug aufrief, bat, das Gepäck nicht unbeaufsichtigt zu lassen oder eine Flugsteigänderung ankündigte, lauschten auch viele internationale Journalisten ihrer tiefen ruhigen erotischen Stimme, so wurde sie von Medienvertretern zur „sexiest Flughafen-Ansager-Stimme der Welt“ gewählt, ihre Fluginformationen sind seitdem Kult in Brasilien.
Seit 2012 kommt Íris Lettieris Stimme in den neuen Schnellbussen in Rio de Janeiro auch vom Band und sagt quasi die nächste Haltestellen an.
Im Jahr 2013 mit der Privatisierung des Flughafens erlosch ihr Vertrag mit dem Flughafenbetreiber. Doch auf Bestreben des Bürgermeisters Eduardo Paes, der überzeugt war, Íris Stimme müsse zum immateriellen historischen Patrimonium von Rio de Janeiro erklärt werden, kam es zu einem Vertrag mit den neuen Betreibern des Flughafens.