Krokodile, Affen & Co. in der Olympiastadt

Wo in Rio de Janeiro wilde Tiere leben   Plus +++ „Casa da Vanessa“ im Atlantischen Regenwald in Bahia

Breitschnauzenkaiman im Kanal das Taxas ©Jorge Vasconcellos

Breitschnauzenkaiman im Kanal das Taxas ©Jorge Vasconcellos

Mitten in der Stadt auf der Straße auf einen 3,50 Meter langen Alligator zu treffen ist sogar in den Tropen außergewöhnlich. Die Breitschnauzenkaimane leben im Kanal das Taxas, mitten im friedlichen Stadtviertel Recreio dos Bandeirantes, wo sich Familien der Mittelklasse niedergelassen haben.

Im Allgemeinen drehen sie hier ihre Runden, mittags liegen sie gern in der Sonne. Von der Brücke aus kann man aus sicherer Position beobachten, wie sie ihre mächtigen Körper durchs Wasser schieben. Doch der Kanal ist stark verschmutzt, und so rückt gelegentlich eines der 30 dort lebenden Krokodile aus, um sich auf die Jagd nach Futter zu begeben. Das führt zu Irrungen, hin und wieder landet eines im Swimmingpool eines Anwohners, der morgens zu Tode erschrickt, wenn er seine Bahnen ziehen will, bevor er ins Büro fährt. Manchmal kommt auf der nahe gelegenen Schnellstraße Avenida das Américas eines unter die Räder, Orientierung fällt den Reptilien auf Asphalt und Beton nicht leicht.

Dr. Ricardo Freitas Filho, Biologe und Gründer des „Instituto Jacaré Conservação e Manejo de Animais Silvestres“ („Kaiman-Institut  Erhaltung und Handhabung wild lebender Tiere“), glaubt nicht, dass die Krokodile im Lagunen-Komplex in zu großer Zahl existieren, sondern dass der natürliche Lebensraum durch die rasch voranschreitende Urbanisierung im Osten der Stadt extrem eingeschränkt wurde.

Breitschnauzenkaiman im Kanal das Taxas ©Jorge Vasconcellos

In einfachen Worten: Die Krokodile sind hier zu Hause; wenn jemand weichen muss, dann der Mensch. Normalerweise ernähren sich die Krokodile von Krebsen und Fischen sowie größeren Vögeln und kleineren Säugetieren, Menschen greifen sie nicht an.

Dennoch sind sie keine Kuscheltiere.
Der Biologe rät dringend davon ab, sie zu füttern, auf der Brücke kann man in aller Ruhe bisweilen beobachten, wie sich ein Alligator in Zeitlupe an ein besonders schmackhaftes Stück Reiher anschleicht und zuschnappt oder ein Katze vertilgt.

Kleine freche Äffchen

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In der Olympiastadt sind auch jede Menge Weißbüscheläffchen unterwegs, in Parks und in der Floresta da Tijuca. Die aus dem Nordosten Brasiliens stammenden Krallaffen wurden ursprünglich von Migranten als Haustiere nach Rio gebracht. Über die Jahre allerdings haben sie sich in vielen Stadtparks ausgebreitet und gelten mittlerweile sogar als Plage. Zurzeit werden die Männchen in großem Stil chemisch sterilisiert. Die reizenden „micros“, die in Gruppen von zwei bis 15 Tieren zusammenleben, sind gar nicht scheu.

Ein Leben auf dem Wipfel

Faultier_Parque Natural Municipal da Prainha, ©Depositfotos

Drefingerfaultier © Depositfotos

Im Parque Natural Municipal da Prainha, im Stadtviertel Recreio dos Bandeirantes, kann man auf Faultiere treffen. Die Tiere verbringen fast ihr ganzes Leben auf Bäumen. Sie haben lange, gebogene Krallen, die bis zu zehn Zentimeter lang werden, damit hängen sie sich an einen Ast – das ist ihre Standardposition. So machen sie eigentlich alles: schlafen, essen, Liebe und Kinder auf die Welt bringen. Nur einmal in ein bis zwei Wochen steigen sie herab, um ihre Notdurft zu verrichten. Der Stoffwechsel ist so langsam, dass das völlig ausreicht. Warum sie ausgerechnet dafür vom Baum müssen, ist Forschern bis heute ein Rätsel.

Deshalb muss man auch einigermaßen Glück haben, um einen der Vertreter im Zeitlupentempo in den Baumkronen oder beim Abstieg auf einem Spaziergang durch den Park zu entdecken, der diesem ursprünglichsten und zugleich eigentümlichsten Säugetier der Neuen Welt hier ein besonderes Schutzgebiet gewährt.

Drei von 111 Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen. Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„. Mehr Geschichten auf diesem Blog  „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Kleiner Flughafen, große Stimme

In dem Film  „Die Tiere von Rio“ des Bayerischen Rundfunks begab sich Autorin Andrea Rüthlein in Rio de Janeiro auf die Spuren von Faultieren und Krokodilen, Nasenbären und Kapuzineraffen im Floresta di Tijuca, der die berühmte Jesusstatue umringt.

Im Atlantischen Regenwald in Trancoso, Bahia

In Trancoso an der Entdeckerküste im Süden des Bundesstaats Bahia ist es wesentlich einfacher, ein Faultier aus der Nähe zu sehen. Im Atlantischen Regenwald wachsen so viele verschiedene Baumarten auf einem Hektar wie nirgends sonst auf der Welt, 454 Arten pro Hektar wurden registriert, das ist sogar mehr als im Amazonas-Regenwald. An die 90 Prozent des Atlantischen Regenwalds in Brasilien und somit auch der einzigartigen Flora und Fauna sind bereits zerstört, hier ist ein Fleckchen erhalten. Jede Menge Affenarten, darunter Weißbüscheläffchen, aber auch Papageien, Tapire, Kragenfaultiere und sogar Jaguare sind hier beheimatet.

„Casa da Vanessa“ in der Straße der Affen

Faultier_Vanessa_3Als Vanessa Maria Vlan de Castro vor über 30 Jahren gemeinsam mit ihrem italienischen Lebensgefährten Roberto Battista  den Entschluss fassten,  sich im damals 500-Einwohnerdorf Trancoso niederzulassen,  kauften sie ein großes Stück Land. Das zwar sehr günstig, lag aber quasi auch mitten im Dschungel, fernab vom „Quadrado“, dem damals zentralen Dorfplatz. Heute sind die bunten Häuschen mit der zweitältesten Kirche Brasiliens, die sich um einen riesiges Stück Rasen reihen, eine denkmalgeschützte Sehenswürdigkeit.

Das Dorf hat mittlerweile knapp 20.000 Einwohner und ist längst an die „rua dos macacos“ (Straße der Affen) – so wurde der Weg später genannt – herangewachsen. Die holprige Straße säumen jede Menge schmucker Häuser, alle durch Zäune und Mauern vor neugierigen Blicken geschützt.

Casa-Da VanessaAuf dem Stück Land, auf dem Vanessa, ursprünglich aus Bel Horizonte im Bundesstaat Minas Gerais mit Roberto, ursprünglich aus Rom, damals ihr Haus bauten, steht heute die Dschungel-Lodge „Casa da Vanessa“ , umgeben von einem zauberhaften tropischen Garten mitten im Atlantischen Regenwald.

Von der Urbanisierung rundherum haben sich die  hier beheimateten Faultiere nur wenig beeindrucken lassen. Hoch oben auf den Wipfeln in und um Vanessas Garten leben sie ihr gewohnt friedvolles Leben. Wenn sie alle ein bis zwei Wochen vom Baum heruntersteigen, haben sie es gar nicht leicht, sich auf dem Boden zu bewegen, denn Beine und Arme des Faultiers sind nicht fürs Laufen gemacht, sie schlagen ihre Vorderkrallen in den Erdboden und ziehen sich auf dem Bauch rutschend vorwärts.

Auf jeden Fall werden sie von Vanessa stets begeistert begrüßt – denn sie ist jedes Mal aufs Neue fasziniert von den reizenden Mitbewohnern in ihrem Garten. Auch ihre Gäste haben ihre große Freude an den überraschenden Begegnungen.

 

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Über Beate C. Kirchner

Freie Journalistin, Themenschwerpunkt: Brasilien – Wirtschaft, Politik, Umwelt, indigene Gemeinschaften und auf Anfrage

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