Der Revolver des Präsidenten

Getúlio Vargas‘ Selbstmord

Tour_1_Palacio_catete3

©Tay Nacimento

Es war ein Revolver Kaliber 32, mit dem sich Getúlio Vargas am Morgen des 24. August 1954 ins Herz schoss. Der Staatspräsident war am Ende. Minister – und Generäle – hatten dem „Meister des politischen Taktierens“ nach Vorwürfen von Korruption, Misswirtschaft und einem missglückten Attentat auf seinen schärfsten Kritiker ein Ultimatum gestellt. Vargas sah ohne die Unterstützung des Militärs keinen Ausweg – und machte sich zum Märtyrer: „Wenn die Raubvögel nach Blut verlangen und das brasilianische Volk weiter ausbeuten wollen, dann bringe ich mein Leben zum Opfer“, hieß es in seinem Abschiedsbrief. Der Freitod des Präsidenten löste geradezu eine Revolte aus, die Rechnung der politischen Gegner ging nicht auf – Getúlio Vargas war auch post mortem beliebt. Mittels eines paternalistischen Regimes hatte Vargas in den insgesamt 19 Jahren seiner Herrschaft eine Industrienation mit Gewerkschaften und Institutionen geschaffen, den „Estado Novo“ (neuer Staat). Es gab das Wahlrecht für Frauen, eine Renten- und eine Krankenkasse.

Der Schlafanzug des Präsidenten

Foto: Museo da Republica

Foto: Museu da República

Am Ende war es der autokratische Stil, der Vargas zum Verhängnis wurde. Er wollte seinen größten Feind, den Verleger Lacerda, „aus dem Weg räumen“ lassen, das Attentat schlug fehl, und er selbst wurde als Anstifter an den Pranger gestellt. Der Revolver und auch der gestreifte Schlafanzug, den Vargas in seiner letzten Stunde trug, sind im Museu da República im Palácio do Catete zu begutachten. Neben diesen skurrilen Exponaten sind die herrschaftlichen Räume der Präsidenten zu sehen. Von 1897 bis 1960, bis Brasília Hauptstadt wurde, war der Palast Sitz von 18 Regierungschefs. Zauberhaft ist der Spaziergang durch den Garten, der von der Straße bis zum Strand reicht. Denn die Baroness von Nova Friburgo,  Ehefrau des Kaffeebarons Antonio Clemente Pinto, der den Palast als Wohnhaus erbauen ließ, wollte sowohl an der Straße wohnen …

Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„. Mehr Geschichten auf diesem Blog  „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Krokodile, Affen und Co. in der Olympiastadt

 

Avatar von Unbekannt

Über Beate C. Kirchner

Freie Journalistin, Themenschwerpunkt: Brasilien – Wirtschaft, Politik, Umwelt, indigene Gemeinschaften und auf Anfrage

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..