Tour durch die Favela Santa Marta

Favela Santa Marta, Rio de Janeiro ©Tay Nacimento

Favela Santa Marta, Rio de Janeiro ©Tay Nacimento

Thiago Firmino wartet immer im „Select“ – das ist die Bar in der Tankstelle gegenüber vom Eingang zur Favela. Er ist in Santa Marta geboren und organisiert Touren durch sein Heimatquartier. „Früher“, erzählt er, „warteten wir hier bis zum Morgengrauen, nachts zu Fuß hinaufzugehen war viel zu gefährlich.“ Die Favela war die erste, die 2008 befriedet wurde, mit der Seilbahn geht es nach oben, das spart 788 Stufen.

Auf der Plattform der letzten von fünf Haltestellen reicht der Blick auf Botafogo, bis zur Bucht von Guanabara, zum Zuckerhut und dem Corcovado mit dem seine Arme ausbreitenden Christus. Von keinem anderen Aussichtspunkt der Stadt kommt man dem Wahrzeichen Rios auf gleicher Höhe so nah.

Thiago erzählt, dass nicht alle Häuser legalisiert wurden, für die Häuser im oberen Teil gibt es keine Dokumente, „Risikozone“ heißt es von amtlicher Seite, die Spekulation sei bereits in vollem Gang.

1.700 Familien leben hier in 650 Häusern, insgesamt sind das 6000 Menschen. Durch enge Gassen geht es vorbei an den offenen Fenstern, hinunter zum Platz, wo 1996 Michael Jackson sein Video zu „They Don’t Care About Us“ gedreht hat. Samstags findet hier bei Sonnenuntergang eine Feijoada mit Sambamusik statt. Etwas weiter unten wohnt Thiago. Bei ihm gibt es Caipirinha und Geschichten über die „comunidade“, die „Gemeinschaft“, wie die Bewohner ihre Favela nennen. In den letzten Jahren hat es einen kleinen Wirtschaftsboom gegeben: Es gibt einen Beautysalon, einen Fußballplatz, und einige Restaurants wie das „Pizza do Luiz“ schafften es sogar in Feinschmeckerspalten der Tageszeitungen.  Wieder unten angekommen überrascht der knallbunte Praça Cantão, das niederländische Künstlerduo Haas & Hahn hat 7.000 Quadratmeter Fassaden an 34 Häusern als Kunstprojekt „Favela Painting“  in Regenbogenfarben und geometrischen Formen gestaltet.  Vor dieser Kulisse spielt sich das Alltagsleben der Gemeinschaft ab.

 

Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„. Mehr Geschichten auf diesem Blog  „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Krokodile, Affen und Co. in der Olympiastadt

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Über Beate C. Kirchner

Freie Journalistin, Themenschwerpunkt: Brasilien – Wirtschaft, Politik, Umwelt, indigene Gemeinschaften und auf Anfrage

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