
Vogelfriedhof_Paquetá_Rio de Janeiro©Jorge Vasconcellos
Auf dem Schild am Eingang ist ein Vogel abgebildet zusammen mit der Zeile: „Ich singe, um meinen Freunden eine Freude zu machen.“ Und das Zwitschern ist auch das Einzige, was hier zu hören ist – auf dem einzigen Vogelfriedhof in Brasilien, wahrscheinlich sogar auf dem einzigen der Welt. Mit den 24 Gräbern, die in etwa die Größe einer Schuhschachtel haben, mutet der Ort wie eine Miniaturausgabe des Friedhofs daneben an.
Nur der Pfarrer fehlt
Ein Geistlicher wohnt der Beerdigung hier zwar nicht bei, aber das Ritual hat durchaus seine Würde mit seinen ganz persönlichen Trauerreden. Auf den Grabsteinen ist zu lesen: „O pássaro abatido“ („Der gefallene Vogel“) oder „O pouso do pássaro cansado“ („Ruhestätte eines müden Vogels“). An der Wand verleihen Zeilen brasilianischer Gedichte, die Vögel als zentrales Thema haben, der Stimmung vor Ort zusätzlich Seriosität.

Vogelfriedhof_Paquetá_Rio de Janeiro©Jorge Vasconcellos
Tiere aus der ganzen Welt
„Auf meinem Land wachsen Palmen, wo der Vogel singt.“ Es waren die Künstler Pedro Bruno und Augusto Silva von der Insel Paquetá, die den Vogelfriedhof in den 1940er Jahren gestalteten, eine Büste am Eingang ehrt Pedro Bruno bis heute. Ein Rentner von über 90 Jahren, Theóphilo de Souza, wurde der Friedhofswärter. Ihm wurde von der Gemeinde gestattet, auf dem verlassenen Gelände sein Wohnhaus zu errichten, und er erlaubte weiterhin, dass Menschen ihre toten Vögel hier beerdigten. So brachte eine Frau sogar aus dem 1.000 Kilometer entfernten Minas Gerais ihren Papagei hierher. Sie hatte 25 Jahre mit dem Vogel gelebt, nach einem halben Jahr kam sie wieder und legte Blumen am Grab des Vogels nieder. Die Beerdigungen sind kostenlos, Platz genug ist ja, denn einen Monat nach der Beerdigung ist schon nichts mehr übrig von den Verblichenen, oft wird auch der nächste Vogel auf der alten Asche eines bereits vorhandenen Grabes beerdigt. Ein eigener Grabstein hingegen kostet etwas. Auf Wunsch wird auch der angefertigt.
Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„. Mehr Geschichten auf diesem Blog „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Krokodile, Affen und Co. in der Olympiastadt.