Die DJ-Schule in der Favela Rocinha

 

DJ-Schule in der Favela Rocinha ©Jorge Vasconcellos

DJ-Schule in der Favela Rocinha ©Jorge Vasconcellos

Zu seinen Schülern gehört der 13-jährige André ebenso wie der 55-jährige Portier Robson. Zezinho, mit bürgerlichem Namen Renato da Silva, unterrichtet zweimal in der Woche von 19 bis 21 Uhr die Sound-Kunst, die auf Festen und Partys zieht, zeigt Neugierigen Loops und Samples. Er selbst ist eingeborener Favela-Bewohner, kam in der Rocinha auf die Welt, sein Vater stammt ursprünglich aus dem Nordosten Brasiliens, seine Mutter ist US-Amerikanerin.

Zezinho liebt das Leben in der Favela

Acht Jahre lebte er in San Francisco, wo er als DJ und Graffitikünstler arbeitete, bevor er ein paar Jahre Kanada dranhängte. Aber wirklich wohl fühlt er sich in der Rocinha, wo er die große Herzlichkeit der Bewohner schätzt, mit über 350.000 Einwohnern die größte Favela in ganz Brasilien. Wenn man mit dem Kombi von Ipanema durch die engen gewundenen Straßen nach oben fährt, wird einem erst bei der Talfahrt auf der anderen Seite des Riesenhügels bewusst, welch ein gigantischer Komplex diese Favela ist.

Elektro-Beats und House

Zu Zezinhos Studio geht es steile Treppen nach oben, das Ambiente ist einfach, das DJ-Equipment hingegen hoch professionell, umgerechnet etwa 10.000 Euro stecken in den Sound-Geräten. Den Mitbewohnern, seinen drei Katzen, scheinen die Kompositionen aus Elektro-Beats und House zu behagen. Der Unterricht vom Profi ist für alle gratis; verschieden ist, wie lange der Einzelne dabeibleibt.

So manch einer wird zum Profi-DJ

Immerhin hat es das eine oder andere Favela-Kid schon geschafft, bei großen Partys aufzulegen, und arbeitet heute professionell als DJ. Für einen Gig in der Rocinha gibt es zwischen 200 und 500 Reais, in anderen Stadtvierteln hingegen mindestens 500 (zurzeit circa 110 Euro). Zezinho finanziert die Schule mit seinen Touren durch die Favela, am Ende steht immer ein Besuch in der DJ-Schule „Spin Rocinha“. Sein großer Traum ist ein Kulturzentrum in der Rocinha mit coolen Aktivitäten – nicht nur Musik, dafür spart er bereits.

Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„. Mehr Geschichten auf diesem Blog  „Zoom auf Brasilien“ lesen Sie rechts in der Rubrik „Countdown Olympia 2016“, zum Beispiel Krokodile, Affen und Co. in der Olympiastadt.

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Über Beate C. Kirchner

Freie Journalistin, Themenschwerpunkt: Brasilien – Wirtschaft, Politik, Umwelt, indigene Gemeinschaften und auf Anfrage

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