Bei der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen 2016 vergangenen Freitag war MC Soffia, so ihr Künstlername, aus São Paulo mit ihren 12 Jahren die jüngste Musikerin. Ihre zum Teil selbst komponierten Raps transportieren Power für afrobrasilianische Frauen. Die Songtexte haben die Geschichte der Sklaverei in Brasilien zum Inhalt und handeln von Rassismus in Brasilien.
Ihr Lied „Kleines schwarzes Mädchen“ handelt davon, dass sie lieber schwarze Puppen haben möchte als die, wenn auch noch so coolen, Barbies. Mehr schwarze Prinzessinen wünscht sich MC Soffia.
Respekt und Power für Afrobrasilianer
„Immer wenn Menschen über Afrikaner in Brasilien sprechen, geht es nur darum, dass sie einmal Sklaven waren und nicht darum, was sie alles dazu beigetragen haben, was Brasilien heute ausmacht“, sagt MC Soffia.
Die 12-Jährige rappt bereits seit 6 Jahren, gemanagt von ihrer alleinerziehenden Mutter Kamilah Pimentel. In Brasilien ist sie schon eine Berühmtheit.
Im Kindergartenalter ins HipHop-Zentrum
Sie sagt, bereits im Kindergarten sei sie mit Rassimus konfrontiert worden. Ein andares Kind sagte ihr, ihre Haut sei schwarz, weil sie in einen Farbtopf gefallen sei. So mente sie eines Tages zu meiner Mutter: „Ich will weiß sein!“ Da nahm sie Kamilah mit in ein Hiphop-Zentrum, um mehr über die Wurzeln und Kultur der Afrobrasilianer zu erfahren. Die Musik dort hatte der Mutter selbst zu mehr Selbstvertrauen verholfen.
MC Soffia lernt gerne und viel über die Wurzeln ihrer Vorfahren, sie sei der „Forscher-Typ“ sagt sie. Ihre Lieder handeln vom Alltag eines schwarzen Mädchens, das sich jeden Tag von Neuem bestätigen und die eigene Identität erleben muss.
Ein Video – 1,5 Millionen Klicks
Mit einem Drei-Muínuten-Video in den sozialen Netzwerken, produziert von den Powerfrauen Empoderosas, wurde MC Soffia berühmt, mehrere englischsprachige Publikationen griffen das Video auf – am Ende wurde es 1,5 Millionen Mal auf Facebook geklickt, 26,000 Mal geteilt.
Bis heute Rassismus in Brasilien
Die Afrobrasilianer sind die Mehrheit im Land. Von knapp 191 Millionen Brasilianern bezeichneten sich in einer Volkszählung von 2010 47,73 Prozent als weiß, 50,74 Prozent als schwarz oder braun, der Anteil an Führungskräften ist hingegen verschwindend gering und auch die Models auf den Covern der brasilianischen Hochglanzmagazine sind bis heute weiß, wie Gisele Bündchen, die ebenso auf der Eröffnungsfeier auftrat. Die Stars in den Telenovelas sind genauso weiß und blond. Afrobrasilianer sind eher die Hausmädchen oder der Chauffeur.