
„Schöner kann ein Tag in Rio nicht beginnen …“ Foto: Diário do Rio auf Twitter
Das Unternehmen hat bis heute noch keinen Cent in Marketing investiert, das luftige „Biscoito Globo“ ist dennoch seit 60 Jahren bei den Bewohnern von Rio, den Cariocas der Renner am Strand. „Kein bisschen Geschmack“ attestierte nun die „New York Times“ dem Maniok-Gebäck, das empörte viele Cariocas und ist für die Keks-Fabrik Gratis-Werbung in der Olympia-Stadt.
In seinem Beitrag bezeichnete der New York Times-Autor Biscoito Globo „als Teil einer großen kulinarischen regionalen Tradition essbarer Lieblinge, die einen Auswärtigen vor den Kopf stoßen.“ Die Geschmacklosigkeit macht aber den Keks auch zu einem perfekten Symbol für die Esskultur in Rio.“
Über Geschmack lässt sich nicht streiten
Die Zutaten Maniokstärke („polvilho“), Milch, Fett und Zucker oder Salz sind in der Tat simpel. Wenn man reinbeißt, schmeckt es leicht und duftig, einfach eben.
Ein Balsen-Keks ist aber auch keine kulinarische Offenbarung und ob Gummibärchen wirklich so großartig schmecken, wie viele von uns sich sicher sind, ist zumindest diskutabel.
Aber „ohne jeden Geschmack“, das ließen die Cariocas nicht auf sich sitzen, schließlich ist Biscoito Globo Kult in Rio de Janeiro: Eine Packung am Strand mit einem eisgekühlten „Mate Leao“ macht den Carioca (so werden die gebürtigen Bewohner Rios genannt) glücklich. „Ein Tag kann in Rio nicht schöner beginnen“, so postete „Diário do Rio“ obiges Foto auf Twitter vor den Olympischen Spielen.
Shitstorm gegen New York Times-Artikel
Ein wahrer Shitstorm entfachte sich in den Sozialen Medien mit Solidaritätskundgebungen von Brasilianern aus New York „NYT: You don’t deserve to talk with me and my angel“ bis zu Biscoito-Globo-Fans in Brasilia „Soll für die Amerikaner vielleicht ,bacon’ oder ,extra-cheddar-cheese’ den Geschmack verstärken?“.
Jede Menge Strandverkäufer wurden etwa von der Tageszeitung in Rio de Janeiro „O Globo“ interviewt, „der Amerikaner versteht eben das Biscoito Globo nicht“ meinten die meisten, das sei eben Tradition in Rio de Janeiro.
Biscoito Globo: oft kopiert, nie erreicht
Und einzigartig ist das Regionalprodukt, schon oft versuchten andere, den Keks zu kopieren, der noch immer nach dem alten Rezept hergestellt wird, bis heute ist das niemandem gelungen.
Geniales Vermarktungskonzept
Und es sind in der Tat die Strandverkäufer, die das Maniok-Gebäck groß gemacht haben. Firmen-Gründer Milton Ponce kam mit 16 Jahren von São Paulo nach Rio de Janeiro im Jahr 1956, seine ersten Jahre in der wunderbaren Stadt waren keine Herrenjahre. Unter der Woche arbeite er in der Fabrik seines Onkels, die „Kekse“ herstellte, ab Freitag Nachmittag verkaufte er die Ware am Strand – ganz schön anstrengend, durch den Sand zu stampfen unter der heißen Sonne des Sommers. Die Idee, Strandverkäufer für den Vertrieb einzusetzen, kam der Familie aus São Paulo nachdem sie auf einem Eucharistischen Kongress in Rio mit dem direkten Verkauf sehr erfolgreich waren.
So rufen die Verkäufer bis heute „Biscoito Globo: salgado ou doce?“ („Salzig oder süß.) Täglich frisch gebacken werden die Teigringe exklusiv in der Fabrik im Zentrum der Stadt. Nur knapp 30 Mitarbeiter sind für Produktion – und Vertrieb – zuständig. Und der funktioniert auch simpel: Die Kekse sind nur über eine 20 mal 50 Zentimeter große Öffnung der vergitterten Fabriktür zu haben – ausschließlich gegen Barzahlung. Im Sommer stehen die Straßenverkäufer in den Morgenstunden Schlange, um 50 Packungen zu ergattern.
Die Snack-Ikone ist auch am Kiosk zu haben, aber auch hier gibt es keine Lieferung, der Kioskbesitzer ist auf einen „Ambulanten“ angewiesen, der für ihn in die Rua do Senado geht. Der Preis ab Fabrik beträgt 0,90 Real, am Strand geht die Packung für fünf Reais weg. Die Gewinnspanne für die Verkäufer ist groß, und eigentlich sind sie die wahren Werbeträger des Produkts, nur dass es das Unternehmen keinen Cent Marketing kostet.