„Medaille“ für Maria da Penha aus der Favela, die Olympia2016 weichen musste

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

In der Favela Autódromo lebten 600 Familien über 40 Jahre lang friedlich zusammen, doch sie lag just auf der Zufahrtsstraße zum Olympischen Dorf, deshalb mussten nahezu alle Bewohner der comunidade (Gemeinschaft) weichen. Maria da Penha, Ikone des Widerstands wurde vom Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ mit der „Medaille der Werte“ ausgezeichnet.

Insgesamt wurden rund 77.000 Menschen im Zuge der Olympischen Spiele und der Fußball-WM vor zwei Jahren in Rio de Janeiro umgesiedelt. (Lesen Sie hierzu)

100 Geschichten von Vertriebenen

100 Geschichten von Vertriebenen Bild: agencia publica

100 Geschichten von Vertriebenen Bild: agencia publica

Das Megaprojekt der Agencia Publica versucht,  die Geschichten der Menschen zu dokumentieren , die durch die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro vertrieben wurden.

Die Favela Autódromo im Westen von Rio de Janeiro war zum Politikum geworden. Die Berichte vom Widerstand gingen um die Welt – von „The Guardian“ bis „New York Times“ berichteten Tageszeitungen – doch die Stadt ließ das Haus von Maria da Penha abreißen.

Zum Weltfrauentag hatte Maria bereits einen Preis für ihren Kampf erhalten, mehr als zwei Jahre hatte die 51-Jährige gegen den Abriss ihrer Siedlung gekämpft, die nach Auffassung der Stadt Rio de Janeiro dem Olympiapark im Weg stand.

Nach Architektenplänen hätte Favela bleiben können

Projekt Olympia Barra in der Planungsphase

Projekt Olympia Barra in der Planungsphase

Zwar hatte der Gewinner des Architekturprojekts des Olympiadorfs ursprünglich die Favela, die seit 1967 bestand und in der noch vor vier Jahren an die 600 Familien lebten, die Siedlung im Projekt Olympia mit eingeplant, doch die Stadtregierung entschied sich dafür, die Siedlung zu räumen.

 

Baumogul Carlos Carvalho

Bauunternehmer Carlos Carvalho Fotos: Screenshot The Guardian

Bauunternehmer Carlos Carvalho Foto: Screenshot The Guardian

Maßgeblich profitiert davon hat sicher der 92-jährige Baumogul Carlos Carvalho (Lesen Sie hierzu auch).

2012 hatte Carvalho 650 000 Reais (175 000 Euro) für die Wiederwahlkampagne des Bürgermeisters von Rio Janeiro Eduardo Paes gespendet. Unter Carvalho entstanden die meisten Projekte im Stadtteil Barra, wie das Olympiadorf sowie die meisten Spielstädten. Kritiker monieren, dass zum Teil das Baurecht geändert worden sei, damit er viel höher bauen durfte.

Polizeigewalt bei Kampf gegen die Räumung

Maria da Penha mit gebrochener Nase Foto: Katia Carvalho

Maria da Penha mit gebrochener Nase Foto: Katia Carvalho

Der Bewohnerin Maria da Penha der Favela Vila Autódromo wurde im Kampf gegen die Räumung von der Polizei die Nase gebrochen. Viele Bewohner zogen widerstrebend in Sozialwohnungen am Stadtrand – eigentlich hatten sie ein verbürgtes Wohnrecht auf 99 Jahre, viele hatten schriftliche Dokumente.  (Lesen Sie hierzu auch hier)

 

40 Jahre friedliches Leben in der Favela

Altair Antunes Guimarães Foto: B.C. Kirchner

Altair Antunes Guimarães Foto: B.C. Kirchner

Darunter auch der  einstige Wortführer der Wider-
standsbewegung Altair Antunes Guimarães, der lange glaubte , den Kampf gegen die Stadt Rio de Janeiro gewinnen zu können und das friedliche Leben in der Gemeinschaft Vila Autodromo erhalten zu können. In der Favela waren nahezu alle Bewohner erwerbstätig, Drogenhandel spielte keine Rolle.

 

Neue Wohnungen für 20 Familien an der selben Stelle

Räunung Vila Autodromo Foto: Rio On Watch

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Seit 2013 räumte die Stadt mit Polizeiaktionen die Häuser, riss sie mit Bulldozern ab. Die letzten 20 Familien erreichten jedoch, dass an gleicher Stelle neue Wohnungen für sie gebaut wurden.

 

 

Vila Autodrom nach Teilräumung Foto: Matias Maxx

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Trotz des symbolischen Erfolgs – die Gemeinschaft der Vila Autódromo ist durch den Wegzug der meisten Familien zerstört.

Heute leben noch 20 von den ursprünglich über 800 Familien in der Vila Autódromo. Die Favela wirkt wie ein Dorf nach einem Erdbeben. Am Ende des Viertels beginnt hinter einer Absperrung der Olympiapark. Dahinter liegen die Arenen und Sportzentren. Gesamtwert: 400 Millionen Euro. Auf 75 Prozent der Fläche sollen nach den Olympischen Spielen Luxus-Apartments entstehen.

Bürgermeister Eduardo Paes hatte vor den Spielen ein Stadtbau-Projekt für das Viertel angekündigt. Vorgesehen sind 30 schlichte Zwei-Zimmer-Häuschen, Abwassersystem, eine Straße. Gesamtkosten: unter 750.000 Euro.

Eines der Häuschen könnte Maria da Penha haben, zugestimmt hat sie noch nicht.

Film „Olympiafilme2016“ über Olympia-Korruption

Maria da Penha im Film "Olymipa2106"

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Übrigens: Am 15.9 startet der Film „Olympiafilme2016“ des Filmemachers Rodrigo Mac Niven in den brasilianischen Kinos, eine Mischung aus Dokumentation und Fiktion. Es geht um Korruption in Brasilien und im Allgemeinen, Machenschaften und Umsiedelungen in Rio de Janeiro für die Olympischen Spiele. Dokumentarische Szenen über den historischen Widerstand von Maria da Penha und der Vila Autodromo sind ein Teil des Films. (Lesen Sie hierzu auch)

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Über Beate C. Kirchner

Freie Journalistin, Themenschwerpunkt: Brasilien – Wirtschaft, Politik, Umwelt, indigene Gemeinschaften und auf Anfrage

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