
„Isto Não é Um Poema“© Arnaldo Antunes
Jair Bolsonaro:
„Ich unterstütze Folter“
„Ich verteidige die Diktatur“
„Ich werde den Kongress schließen“
„Sie dienen nicht einmal zur Fortpflanzung“
„Ich vergewaltige dich nicht, weil du es nicht verdient hast“
„Wir werden diese Penner hier rausfegen“
„Der Fehler war, zu foltern und nicht zu töten“
etc usw usw etc usw
In seinem Video „Isto Não é Um Poema“(„Das ist kein Gedicht“) zitiert der brasilianische Performance-Künstler, Autor und Musiker Arnaldo Antunes Aussagen von Jair Bolsonaro. Und positioniert sich über die sozialen Medien klar gegen den Faschisten.
Das Video ging viral, hatte in kürzester Zeit Tausende Klicks.
Auf schwarzen Grund mit weißer Schrift findet der Künstler 12 Minuten lang klare Worte: Er spricht den Mord an dem Künstler und Meister der Capoeria Moa do Catendê, der von Anhängern Bolsoraos in einem politischen Streit begangen wurde.

Marielle Franco © Mídia NINJA
Er verweist auf weitere dramatische Momente der letzten Monate in Brasilien wie der Mord, an der prominenten linken Politikerin Marielle Franco und den Brand im Nationalmuseum in Rio de Janeiro, bei dem 20 Millionen Ausstellungstücke wahrscheinlich für immer verloren gingen.
Und er erinnert an die Brutalität der Militärdiktatur (1964–1985), und warnt vor dem Verlust des Rechtsstaats und der Rückkehr der Diktatur:
Vor Faschismus, Folter von Gefangenen,
Vor der Lizenz der Polizei zum Töten
Vor Diskriminierung von Minderheiten
Davor dass es nicht mehr einen Tropfen bürgerlicher oder Menschenrechte geben wird.
Vor Rückkehr Rückkehr von Zensur und Hass,
Und immer wieder vor Hass und Horror

Haddad, Bolsonaro © http://www.vermelho.org.br
Am 28.10.2018 tritt Bolsonaro in der Stichwahl gegen den Kandidaten der Arbeiterpartei PT, Fernando Haddad an und hat Chancen, der nächste Präsident der fünftgrößten Landes der Welt zu werden.
Wie das Forschungsinstitut Datafolha am Mittwoch bekannt gab, würde Bolsonaro nach Abzug der Enthaltungen und absichtlich ungültig abgegebenen Stimmen, den sogenannten Null- und Weißstimmen, sowie der Nichtwähler auf 58 Prozent der gültigen Stimmen kommen und seinen Vorsprung vor Haddad (42 Prozent) auf 16 Prozent ausbauen. Damit hätte er die Wahl gewonnen.
Auch Brasiliens Großunternehmer, Börsenanleger, konservative Parteien, Teile der Justiz und der Massenmedien, insbesondere das Militär und nicht zuletzt die höchst einflussreichen evangelikalen Kirchen unterstützen offenbar lieber einen rechten Brandstifter als einen PT-Kandidaten“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.
Ob Bolsonaros Ansatz für die Wirtschaft tatsächlich der bessere ist – die Börse schnellte direkt nach dem Wahlergebnis der ersten Runde in die Höhe – bezweifeln auch Vertreter der eher konservativen deutschen Wirtschaftspresse. In „Capital“ ist zu lesen:„Nicht immer erweisen sich laute Töne und ein autokratischer Führungsstil als vorteilhaft für die Konjunktur. In der Türkei und auf den Philippinen ist das dieser Tage gut zu beobachten. Auf der anderen Seite hat in Portugal eine linke Regierung, die nicht viel vom Sparen und von einer Politik der harten Hand hält, das einstige Krisenland seit 2015 wirtschaftlich auf Vordermann gebracht.“
Die Rating-Agentur Standard & Poor’s stuft Bolsonaro als Präsidenten als ein höheres Risiko für die Wirtschaft ein als Haddad. Bolsonaro sei ein politischer Outsider und werde mehr Probleme haben, sein Wirtschaftsprogramm umzusetzen, schreibt das „Handelsblatt“.
Auch das Hochkommissariat für Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN) zeigte sich „zutiefst besorgt“ über die Welle der derzeitige Gewalt: Über 50 tätliche Angriffe auf Linke im Wahlkampf durch Gefolgsleute Bolsonaros zählte das Investigativ-Magazin A Publica Die UN verurteilten die Gewaltakte und zeigten sich besonders alarmiert durch die steigende Gewalt gegen Frauen und LGBTI-Personen im Kontext des Wahlkampfes.
Doch viele sind noch unentschlossen, ferner gab es im Ersten Wahlgang so viele Nichtwähler wie selten: Von 147 Millionen Wahlberechtigten waren 30 Millionen Brasilianer den Urnen ferngeblieben – trotz Wahlpflicht. Weitere 10 Millionen stimmten „ungültig“, ebenfalls ein Rekordwert. Entschieden ist die Wahl noch nicht.