„Medaille“ für Maria da Penha aus der Favela, die Olympia2016 weichen musste

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

In der Favela Autódromo lebten 600 Familien über 40 Jahre lang friedlich zusammen, doch sie lag just auf der Zufahrtsstraße zum Olympischen Dorf, deshalb mussten nahezu alle Bewohner der comunidade (Gemeinschaft) weichen. Maria da Penha, Ikone des Widerstands wurde vom Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ mit der „Medaille der Werte“ ausgezeichnet.

Insgesamt wurden rund 77.000 Menschen im Zuge der Olympischen Spiele und der Fußball-WM vor zwei Jahren in Rio de Janeiro umgesiedelt. (Lesen Sie hierzu)

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Proteste gegen Amtsenthebung von Dilma Rousseff in Brasilien

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Am heutigen Mittwoch, den 31.8.2016 soll die endgültige Entscheidung im Senat fallen, stimmen zwei Drittel der Senatoren für die Amtsenthebung der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff, wird ihr Stellvertreter Michel Temer offiziel die Amtsgeschäfte bis um Ende der Legislaturperiode 2018 übernehmen.

Vor dem Palácio da Alvorada, der Residenz der brasilianischen Präsidenten, protestieren während im Senat die Abstimmung stattfindet, Menschen gegen das Verfahren. In den vergangenen Tagen hatte es in Brasilia sowohl Kundgebungen für als auch gegen die gewählte Präsidentin gegeben.

 

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff. Foto: Midia NINJA

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Gestern  fanden in den Städten Rio de Janerio und São Paulo, Bel Horizonte  und Brasilia größere Kundgebungen statt.  Die Demonstraten nannten die Amtsenthebung „golpe“ ( Staatsstreich). Einige der Teilnehmer setzten in São Paulo Barrikaden in Brand. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Am Montag hatte sich die suspendierte brasilianische Präsidentin vor dem Senat in einer über 40-minütigen Rede verteidigt.  Ihre Absetzung gilt allerdings  als so gut wie sicher.

Rousseff  wird vorgeworfen, sie habe Bilanztricksereien begangen, Staatsausgaben geschönt, Sonderausgaben per Dekret am Haushalt vorbeigewinkt zu haben „Crime de Responsabilidade“, „Verantwortungsverbrechen“ lautet die Anklage.

Rousseff erklärte, sie sei unschuldig, ihren Gegnern wirft sie vor, sie hätten einen kalten Putsch gegen sie inszeniert, juristisch sei die Anklage haltlos. In der Tat wird Rousseff keine persönliche Bereicherung vorgeworfen, anders verhält es sich bei vielen brasilianischen Politikern: Gegen etwa 60 Prozent der 594 Mitglieder von Abgeordnetenhaus und Senat liegen Anklagen oder Ermittlungen vor, bis hin zu einem Mordverdacht.

Viele sind im Zusammenhang mit dem Petrobras-Skandal angeklagt, unter ihnen der ehemalige Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva – Vertrauter und Mentor von Rousseff, der der Korruption und der Geldwäsche beschuldigt wird.

©Beto Barata:PR

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Auch Interimspräsident Temer ist einer von ihnen. Wird Rousseff endgültig Ihres Amtes enthoben, wird Temer bis 2018 die Regierungsgeschäfte führen – ohne Wahl. auch er ist in der Bevölkerung äußest unbeliebt.

In ihrer Rede bezog sich Rousseff explizit auf den radikalen Kurswechsel, den ihr einstiger Vize vollzogen hat, als er mit seiner Partei PMDB die Regierungsgeschäfte kommissarisch übernommen hatte, den Kurs, den die Arbeiterpartei eingeschlagen hatte mit Sozialprogrammen und Wohnungsförderung will Teuer nicht mehr beschreiten. Einen „Verräter“ nennt sie ihn. „Fora Temer“ („Temer raus“) rufen die Demonstranten.

Ein Zimmer im Himmel in Rio de Janeiro

Halbmond des Streetartkünstlers JR. Foto: Courtesy von JR, Quelle: screenshot www.designboom.com

Halbmond des Streetartkünstlers JR. Foto: Courtesy von JR, Quelle: screenshot http://www.designboom.com

Der französische Streetart-Künstler JR kehrte nach Rio de Janeiro zu den Olympischen Spielen zurück. Unter anderem entwickelte  er hier ein Projekt weiter, das er vor über sieben Jahren begonnen hatte: In der ersten Favela Rio de Janeiros „Provendencia“ hatte er 2009 das Projekt „Casa Amarela“ (deutsch: gelbes Haus) gegründet, ein spektakuläres Kunstprojekt in der Favela in den Hügeln hoch über dem brandneuen „ Porto Meravilha“, dem „wunderbaren Hafen“, wo sich viel vom Olympia-Leben in den letzten zwei Wochen abgespielt haben. Weiterlesen

Olympia-Showndown ohne Präsident, Paralympics mit leeren Kassen

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Bei der Eröffnungsfeier wurde er schrill ausgepfiffen, Interimspräsident Michel Temer ist in Brasilien alles andere als beliebt.  Zur Abschlussfeier von Olympia 2016 am Sonntag wird der Politiker gar nicht erscheinen, er lässt sich vom Parlaments
präsidenten Rodrigo Maia vertreten.

Stellvertreter Rodrigo Maia will sich auch nicht exponieren

Maia, so heißt es in Presseberichten weiter, habe die Mission erst angenommen, nachdem ihm versichert worden sei, dass er bei der Veranstaltung nicht sprechen müsse, er wolle sich auch nicht exponieren. Weiterlesen

Rios Kult-Keks „Biscoito Globo“ vs NYT

"Schöner kann ein Tag in Rio nicht beginnen ..." Foto: Diário do Rio auf Twitter

„Schöner kann ein Tag in Rio nicht beginnen …“ Foto: Diário do Rio auf Twitter

Das Unternehmen hat bis heute noch keinen Cent in Marketing investiert, das luftige „Biscoito Globo“ ist dennoch seit 60 Jahren bei den Bewohnern von Rio, den Cariocas  der Renner am Strand. „Kein bisschen Geschmack“ attestierte nun die „New York Times“ dem Maniok-Gebäck, das empörte viele Cariocas ­ und ist  für die Keks-Fabrik Gratis-Werbung in der Olympia-Stadt.

In seinem Beitrag bezeichnete der New York Times-Autor Biscoito Globo „als Teil einer großen kulinarischen regionalen Tradition essbarer Lieblinge, die einen Auswärtigen vor den Kopf stoßen.“ Die Geschmacklosigkeit macht aber den Keks auch zu einem  perfekten Symbol für die Esskultur in Rio.“ Weiterlesen

MC Soffia, Power-Rapperin mit 12

MC SoffiaBei der Eröffnungsfeier zu den Olympischen Spielen 2016 vergangenen Freitag war  MC Soffia, so ihr Künstlername, aus São Paulo mit ihren 12 Jahren die jüngste Musikerin. Ihre zum Teil selbst komponierten Raps transportieren Power für afrobrasilianische Frauen. Die Songtexte haben die Geschichte der Sklaverei in Brasilien zum Inhalt und handeln von Rassismus in Brasilien.

Ihr Lied „Kleines schwarzes Mädchen“ handelt davon, dass sie lieber schwarze Puppen haben möchte als die, wenn auch noch so coolen, Barbies. Mehr schwarze Prinzessinen wünscht sich MC Soffia. Weiterlesen

Wer ist eigentlich Michel Temer?

 

©Beto Barata:PR

Foto: Beto Barata/PR

Während der fast dreieinhalbstündigen Eröffnungsfeier war vom brasilianischen Interimspräsidenten nichts zu hören und zu sehen. Sein einziger Auftritt dauerte acht Sekunden – als er die Olympischen Spiele 2016 offiziell eröffnete – und da war er wegen des lauten Pfeifkonzerts der Besucher im Maracana-Stadion eigentlich auch nicht zu hören. Warum mögen den Politker eigentlich so viele Brasilianer nicht?
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Chico Buarque singt Hymne des Widerstands gegen die Diktatur bei Besetzung in Rio

 

Chico Buarque Foto: Screenshot Folha de S.Paulo

Chico Buarque Foto: Screenshot Folha de S.Paulo

„Apesar de voce“ –„Dir zum Trotz“ heißt das Lied gegen die Militärdiktatur in Brasilien  (1964–1985) , mit dem der brasilianische Bossa-nova-Poet Chico Buarque auf einer politischen Besetzung in Rio  am Freitag aufgetreten ist. Diesmal münzte die brasilianische Musiker-Ikone den Song gegen Interimspräsidenten Michel Temer.  „Fora Temer“ („Raus Temer“) ist das Motto der politischen Besetzung. Weiterlesen