Hunderttausende feiern Hl. Georg in Rio de Janeiro

Auf dem Fest des Hl.Georgs in Rio de Janeiro 2017©Jorge Vasconcellos

Auf dem Fest des Hl.Georgs in Rio de Janeiro 2017©Jorge Vasconcellos

Je schlechter die Zeiten sind, desto mehr Zulauf hat der Glauben, heißt es. So waren trotz Regen  Tausende Gläubige am Morgen des 23. April bereits um 5 Uhr in der Kirche „Igreja São Gonçalo Garcia e São Jorge“ im Zentrum, um die erste Messe zu feiern. São Jorge, der Heilige Georg, ist der inoffizielle Heilige in der Stadt am Zuckerhut. Zu keinem anderen haben die Cariocas mehr Vertrauen: Er beschützt  Polizisten  – und Banditen – gleichermaßen.

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Brasilien: Internationale Investitionen, rigides Sparprogramm und Proteste auf den Straßen

Bildschirmfoto 2016-06-29 um 08.43.16Internationale Konzerne haben von Januar bis August so viel investiert wie in den Boomzeiten des Landes vor zehn Jahren. Das Parlament hat außerdem ein radikales fiskalpolitisches Sparprogramm verordnet. Wird das am Zuckerhut  für Wachstum sorgen? Weiterlesen

IWF: Lockere Geldpolitik der Industriestaaten könnte Real in Brasilien weiter aufwerten

imagesDer Internationale Währungsfonds (IWF) sieht in der Fixierung der Notenbanken westlicher Industriestaaten auf zu niedrige Zinsen, die Gefahr einer übermäßigen Aufwertung der Währungen in Schwellenländern. Die großen Notenbanken wie amerikanische Fed, die EZB, die Bank of Japan und die Bank of England setzen auf niedrige Zinsen, um die Wirtschaft weiter anzukurbeln. Sie wollen damit eine gefährliche Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen abwenden, die beispielsweise Japans Wirtschaft lange Zeit am Boden hielt.

Negativ-Zinsen in Industrie-Staaten lockt Kapital in Schwellenländer

Sollten die Zentralbanken ihre Strategie der lockeren Geldpolitik weiterverfolgen, könne dies die Kapitalströme in die aufstrebenden Volkswirtschaften weiter anschwellen lassen. Weiterlesen

Brasiliens Wirtschaft nach Olympia

Viele Pläne und wenig Innovation in der Regierung Michel Temer nach Rousseffs Amtsenthebung – warum es dennoch wieder aufwärts gehen kann

President Michel Temer in Brasília. Gespräche über Public Private Partnership Foto: Carolina Antunes/PR

President Michel Temer in Brasília. Gespräche über Public Private Partnership Foto: Carolina Antunes/PR

Während der Olympischen Spiele machte Michel Temer Schlagzeilen mit Pfiffen bei der Eröffnungsfeier und Demonstrationen gegen ihn auf der Straße. Jetzt macht sich der Präsident an seine Pläne für die Wirtschaft. Temer genießt unter Ökonomen mehr Vertrauen als die Präsidentin der Arbeiterpartei Dilma Rousseff, die Ende August ihres Amtes enthoben wurde. Doch zweifelt unter Experten  so mancher an den Vorschlägen Temers und deren Durchschlagkraft. Weiterlesen

Musikalische Mittagspause in Rio de Janeiro

Baile do Meio Dia, Centro Cultural Carioca, Rio de Janeiro Foto: B. C. Kirchner

Baile do Meio Dia, Centro Cultural Carioca, Rio de Janeiro Foto: B. C. Kirchner

Freitagmittag  geht so mancher Angestellte im Zentrum von Rio de Janeiro in der Mittagspause statt in die Bar auf ein Sandwich ins Centro Cultural Carioca zum Tanzen. Wenn dann um  15 Uhr Schluss ist, sind alle völlig verschwitzt – aber glücklich. Zwei Stunden lang haben Sekretärinnen, Anwälte, Bauarbeiter und Hausfrauen nonstop getanzt, dann geht es wieder ins Büro zurück, fast alle arbeiten hier in der Nähe. Der „Baile do Meio Dia“ (Mittagstanz) ist seit über zehn Jahren ein fester Treffpunkt für Eingeweihte im Zentrum nahe des Praça Tiradentes.

Freitagmittag Paartanz für alle

Jeden Freitag kann jeder, der Lust hat, in die Tanzschule „Centro Cultural Carioca“ zum Tanzen kommen. Getanzt wird Forró aus dem Nordosten Brasiliens, aber auch Bolero, Zouk oder Lambada – Paartanz in all seinen Facetten. Weiterlesen

„Medaille“ für Maria da Penha aus der Favela, die Olympia2016 weichen musste

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

Medaille für Maria da Penha Foto: Rio bewegt uns

In der Favela Autódromo lebten 600 Familien über 40 Jahre lang friedlich zusammen, doch sie lag just auf der Zufahrtsstraße zum Olympischen Dorf, deshalb mussten nahezu alle Bewohner der comunidade (Gemeinschaft) weichen. Maria da Penha, Ikone des Widerstands wurde vom Aktionsbündnis „Rio bewegt. Uns.“ mit der „Medaille der Werte“ ausgezeichnet.

Insgesamt wurden rund 77.000 Menschen im Zuge der Olympischen Spiele und der Fußball-WM vor zwei Jahren in Rio de Janeiro umgesiedelt. (Lesen Sie hierzu)

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Proteste gegen Amtsenthebung von Dilma Rousseff in Brasilien

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Am heutigen Mittwoch, den 31.8.2016 soll die endgültige Entscheidung im Senat fallen, stimmen zwei Drittel der Senatoren für die Amtsenthebung der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff, wird ihr Stellvertreter Michel Temer offiziel die Amtsgeschäfte bis um Ende der Legislaturperiode 2018 übernehmen.

Vor dem Palácio da Alvorada, der Residenz der brasilianischen Präsidenten, protestieren während im Senat die Abstimmung stattfindet, Menschen gegen das Verfahren. In den vergangenen Tagen hatte es in Brasilia sowohl Kundgebungen für als auch gegen die gewählte Präsidentin gegeben.

 

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff. Foto: Midia NINJA

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Gestern  fanden in den Städten Rio de Janerio und São Paulo, Bel Horizonte  und Brasilia größere Kundgebungen statt.  Die Demonstraten nannten die Amtsenthebung „golpe“ ( Staatsstreich). Einige der Teilnehmer setzten in São Paulo Barrikaden in Brand. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Am Montag hatte sich die suspendierte brasilianische Präsidentin vor dem Senat in einer über 40-minütigen Rede verteidigt.  Ihre Absetzung gilt allerdings  als so gut wie sicher.

Rousseff  wird vorgeworfen, sie habe Bilanztricksereien begangen, Staatsausgaben geschönt, Sonderausgaben per Dekret am Haushalt vorbeigewinkt zu haben „Crime de Responsabilidade“, „Verantwortungsverbrechen“ lautet die Anklage.

Rousseff erklärte, sie sei unschuldig, ihren Gegnern wirft sie vor, sie hätten einen kalten Putsch gegen sie inszeniert, juristisch sei die Anklage haltlos. In der Tat wird Rousseff keine persönliche Bereicherung vorgeworfen, anders verhält es sich bei vielen brasilianischen Politikern: Gegen etwa 60 Prozent der 594 Mitglieder von Abgeordnetenhaus und Senat liegen Anklagen oder Ermittlungen vor, bis hin zu einem Mordverdacht.

Viele sind im Zusammenhang mit dem Petrobras-Skandal angeklagt, unter ihnen der ehemalige Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva – Vertrauter und Mentor von Rousseff, der der Korruption und der Geldwäsche beschuldigt wird.

©Beto Barata:PR

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Auch Interimspräsident Temer ist einer von ihnen. Wird Rousseff endgültig Ihres Amtes enthoben, wird Temer bis 2018 die Regierungsgeschäfte führen – ohne Wahl. auch er ist in der Bevölkerung äußest unbeliebt.

In ihrer Rede bezog sich Rousseff explizit auf den radikalen Kurswechsel, den ihr einstiger Vize vollzogen hat, als er mit seiner Partei PMDB die Regierungsgeschäfte kommissarisch übernommen hatte, den Kurs, den die Arbeiterpartei eingeschlagen hatte mit Sozialprogrammen und Wohnungsförderung will Teuer nicht mehr beschreiten. Einen „Verräter“ nennt sie ihn. „Fora Temer“ („Temer raus“) rufen die Demonstranten.

Ein Zimmer im Himmel in Rio de Janeiro

Halbmond des Streetartkünstlers JR. Foto: Courtesy von JR, Quelle: screenshot www.designboom.com

Halbmond des Streetartkünstlers JR. Foto: Courtesy von JR, Quelle: screenshot http://www.designboom.com

Der französische Streetart-Künstler JR kehrte nach Rio de Janeiro zu den Olympischen Spielen zurück. Unter anderem entwickelte  er hier ein Projekt weiter, das er vor über sieben Jahren begonnen hatte: In der ersten Favela Rio de Janeiros „Provendencia“ hatte er 2009 das Projekt „Casa Amarela“ (deutsch: gelbes Haus) gegründet, ein spektakuläres Kunstprojekt in der Favela in den Hügeln hoch über dem brandneuen „ Porto Meravilha“, dem „wunderbaren Hafen“, wo sich viel vom Olympia-Leben in den letzten zwei Wochen abgespielt haben. Weiterlesen

Olympia-Showndown ohne Präsident, Paralympics mit leeren Kassen

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Bei der Eröffnungsfeier wurde er schrill ausgepfiffen, Interimspräsident Michel Temer ist in Brasilien alles andere als beliebt.  Zur Abschlussfeier von Olympia 2016 am Sonntag wird der Politiker gar nicht erscheinen, er lässt sich vom Parlaments
präsidenten Rodrigo Maia vertreten.

Stellvertreter Rodrigo Maia will sich auch nicht exponieren

Maia, so heißt es in Presseberichten weiter, habe die Mission erst angenommen, nachdem ihm versichert worden sei, dass er bei der Veranstaltung nicht sprechen müsse, er wolle sich auch nicht exponieren. Weiterlesen

Rios Kult-Keks „Biscoito Globo“ vs NYT

"Schöner kann ein Tag in Rio nicht beginnen ..." Foto: Diário do Rio auf Twitter

„Schöner kann ein Tag in Rio nicht beginnen …“ Foto: Diário do Rio auf Twitter

Das Unternehmen hat bis heute noch keinen Cent in Marketing investiert, das luftige „Biscoito Globo“ ist dennoch seit 60 Jahren bei den Bewohnern von Rio, den Cariocas  der Renner am Strand. „Kein bisschen Geschmack“ attestierte nun die „New York Times“ dem Maniok-Gebäck, das empörte viele Cariocas ­ und ist  für die Keks-Fabrik Gratis-Werbung in der Olympia-Stadt.

In seinem Beitrag bezeichnete der New York Times-Autor Biscoito Globo „als Teil einer großen kulinarischen regionalen Tradition essbarer Lieblinge, die einen Auswärtigen vor den Kopf stoßen.“ Die Geschmacklosigkeit macht aber den Keks auch zu einem  perfekten Symbol für die Esskultur in Rio.“ Weiterlesen

Praktischer Führer für Rio de Janeiro

©Anna Mendes

©Anna Mendes

… mit Insider-Tipps von Anna Mendes

Wo gibt es die original Roda de Samba im Hafenviertel, und wo die besten Sandwiches an der Copacabana um 4 Uhr morgens?  Wo gibt es die besten Ausstellungen von Künstlern aus Rio de Janeiro, wo lernt man am besten Gafieira tanzen, und wo kann man bei einem atemberaubendem Blick auf die Stadt raffinierte vegetarische Gerichte auf einer Terrasse genießen?

Jede Menge tolle Tipps, ausgesucht von Insidern Anna Mendes, jedes  Stadtviertel auf einer Doppelseite, mit vielen Details – großartig gezeichnet – von der Autorin selbst.

©Anna Mendes

©Anna Mendes

Einfach gratis herunterladen unter:

 

https://issuu.com/anna.mendes/docs/guiadorio-issuu

Die besten Schweinerippchen von Rio

99 Tinos Terrasse-10

Bar do Tino,  Morro dos Prazeres©Kirchner

Severino Santana, genannt „Seu Tino“, kam vor über 45 Jahren mit 18 Jahren aus dem Pará, dem Norden Brasiliens, nach Rio de Janeiro und arbeitete als Maurer, bis er in der Favela einen kleinen Kiosk eröffnete, in dem er Süßigkeiten und Getränke verkaufte. Alle seine Kinder wuchsen im „Morro dos Prazeres“, übersetzt „Berg der Vergnügten“, in der Favela über dem Künstlerviertel Santa Teresa auf. Sein Sohn Leandro arbeitete in einem Schuhgeschäft, 2002 verlor er seine Stelle. Als Alternative zur Jobsuche machte er sich daran, die Terrasse über dem Kiosk des Vaters zu einem familiären Restaurant auszubauen. Die Familie war in der „comunidade“ bekannt und beliebt, so wurde das neue Lokal im Nu zu einem beliebten Treffpunkt und nach der Befriedung der Favela 2011 rasch zu einem Geheimtipp in der Stadt. Weiterlesen