Proteste gegen Amtsenthebung von Dilma Rousseff in Brasilien

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Am heutigen Mittwoch, den 31.8.2016 soll die endgültige Entscheidung im Senat fallen, stimmen zwei Drittel der Senatoren für die Amtsenthebung der gewählten Präsidentin Dilma Rousseff, wird ihr Stellvertreter Michel Temer offiziel die Amtsgeschäfte bis um Ende der Legislaturperiode 2018 übernehmen.

Vor dem Palácio da Alvorada, der Residenz der brasilianischen Präsidenten, protestieren während im Senat die Abstimmung stattfindet, Menschen gegen das Verfahren. In den vergangenen Tagen hatte es in Brasilia sowohl Kundgebungen für als auch gegen die gewählte Präsidentin gegeben.

 

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff. Foto: Midia NINJA

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Gestern  fanden in den Städten Rio de Janerio und São Paulo, Bel Horizonte  und Brasilia größere Kundgebungen statt.  Die Demonstraten nannten die Amtsenthebung „golpe“ ( Staatsstreich). Einige der Teilnehmer setzten in São Paulo Barrikaden in Brand. Die Polizei reagierte mit Tränengas.

Am Montag hatte sich die suspendierte brasilianische Präsidentin vor dem Senat in einer über 40-minütigen Rede verteidigt.  Ihre Absetzung gilt allerdings  als so gut wie sicher.

Rousseff  wird vorgeworfen, sie habe Bilanztricksereien begangen, Staatsausgaben geschönt, Sonderausgaben per Dekret am Haushalt vorbeigewinkt zu haben „Crime de Responsabilidade“, „Verantwortungsverbrechen“ lautet die Anklage.

Rousseff erklärte, sie sei unschuldig, ihren Gegnern wirft sie vor, sie hätten einen kalten Putsch gegen sie inszeniert, juristisch sei die Anklage haltlos. In der Tat wird Rousseff keine persönliche Bereicherung vorgeworfen, anders verhält es sich bei vielen brasilianischen Politikern: Gegen etwa 60 Prozent der 594 Mitglieder von Abgeordnetenhaus und Senat liegen Anklagen oder Ermittlungen vor, bis hin zu einem Mordverdacht.

Viele sind im Zusammenhang mit dem Petrobras-Skandal angeklagt, unter ihnen der ehemalige Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva – Vertrauter und Mentor von Rousseff, der der Korruption und der Geldwäsche beschuldigt wird.

©Beto Barata:PR

Proteste gegen Amtsenthebungsverfahren von Dilma Rousseff in Brasilia. Foto: Midia NINJA

Auch Interimspräsident Temer ist einer von ihnen. Wird Rousseff endgültig Ihres Amtes enthoben, wird Temer bis 2018 die Regierungsgeschäfte führen – ohne Wahl. auch er ist in der Bevölkerung äußest unbeliebt.

In ihrer Rede bezog sich Rousseff explizit auf den radikalen Kurswechsel, den ihr einstiger Vize vollzogen hat, als er mit seiner Partei PMDB die Regierungsgeschäfte kommissarisch übernommen hatte, den Kurs, den die Arbeiterpartei eingeschlagen hatte mit Sozialprogrammen und Wohnungsförderung will Teuer nicht mehr beschreiten. Einen „Verräter“ nennt sie ihn. „Fora Temer“ („Temer raus“) rufen die Demonstranten.

Olympia-Showndown ohne Präsident, Paralympics mit leeren Kassen

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Interimspräsident Michel Temer, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Thomas Bach und Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban Ki-moon während der Eröffnungsfeier Rio 2016. Foto: Beto Barata/PR

Bei der Eröffnungsfeier wurde er schrill ausgepfiffen, Interimspräsident Michel Temer ist in Brasilien alles andere als beliebt.  Zur Abschlussfeier von Olympia 2016 am Sonntag wird der Politiker gar nicht erscheinen, er lässt sich vom Parlaments
präsidenten Rodrigo Maia vertreten.

Stellvertreter Rodrigo Maia will sich auch nicht exponieren

Maia, so heißt es in Presseberichten weiter, habe die Mission erst angenommen, nachdem ihm versichert worden sei, dass er bei der Veranstaltung nicht sprechen müsse, er wolle sich auch nicht exponieren. Weiterlesen

Chico Buarque singt Hymne des Widerstands gegen die Diktatur bei Besetzung in Rio

 

Chico Buarque Foto: Screenshot Folha de S.Paulo

Chico Buarque Foto: Screenshot Folha de S.Paulo

„Apesar de voce“ –„Dir zum Trotz“ heißt das Lied gegen die Militärdiktatur in Brasilien  (1964–1985) , mit dem der brasilianische Bossa-nova-Poet Chico Buarque auf einer politischen Besetzung in Rio  am Freitag aufgetreten ist. Diesmal münzte die brasilianische Musiker-Ikone den Song gegen Interimspräsidenten Michel Temer.  „Fora Temer“ („Raus Temer“) ist das Motto der politischen Besetzung. Weiterlesen

Brasilien: Neuer Parlamentspräsident

Rodrigo Maia (DEM) Foto: Gustavo Lima/ Fotos publicas (14.7.2016)

Rodrigo Maia (DEM) Foto: Gustavo Lima/ Fotos publicas (14.7.2016)

Brasiliens Unterhaus hat einen neuen Parlaments-
präsidenten gewählt: Rodrigo Maia von den konservativ und wirtschaftsliberalen „Demokraten“ (Democratas, DEM). Maia gilt als Verbündeter von Interims-Präsident Michel Temer.

Vorgänger Cunha war wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert

Eduardo Cunha (PMDB, Partei der Brasilianischen Demokratischen Bewegung), maßgeblicher Betreiber des Amtsenthebungsverfahrens gegen die gewählte Präsidentin Brasilien Dilma Rousseff steht unter schwerem Korruptionsverdacht und war vor einer Woche von seinem Amt zurückgetreten. Das Oberste Gericht hatte ihn bereits vor Wochen von seinem Amt suspendiert. Seinen Sitz als Abgeorndetet  behält er jedoch.

Mit Stimmen der Opposition

Der gestern gewählte in Chile geborene Rodrigo Maia – sein Vater César Maia war viele Jahre Bürgermeister von Rio de Janeiro – setzte sich gegen 13 Kandidaten durch und konnte sich bei der zweiten Abstimmung mit 285 Stimmen der 512 Abgeordneten gegen den Kandidaten Rogério Rosso (Partido Social Democrático) durchsetzen. Stimmen erhielt er sowohl aus dem Lager der Opposition sowie der Linken.

Interimspräsident Temer gestärkt

Das Ergebnis wird laut Medienberichten Temers Position im Unterhaus stärken und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrzahl der Senatoren Ende August für die endgültige Amtsenthebung Dilma Rousseffs stimmen wird.

Die Abstimmung im Senat hat eher politischen als juristischen Charakter und die Performance der Interimsregierung gilt als entscheidendes Kriterium für die Stimme der noch Unentschiedenen im Senat.

In den Analysen linker Blogs wurde der Rücktritt Cunhas letzte Woche als politisches Manöver interpretiert.

 

Abstimmung im Senat erst nach Olympia

 

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff Foto: www2.planalto.gov.br_PR

Letzte Woche wurde dem Senat der Untersuchungsbericht zu den Vorwürfen gegen Präsidentin Dilma Rousseff vorgelegt. Rousseff soll Haushaltszahlen vor den letzten Wahlen 2014 geschönt haben, um ihre Politik in besserem Licht erscheinen zu lassen und sich so den Wahlsieg zu sichern. Deshalb war sie in einer Entscheidung des Senats für 180 Tage ihres Amtes enthoben worden. In dieser Zeit sollen die Vorwürfe gegen sie überprüft werden. Weiterlesen