Frauen-Proteste gegen „sexistische“ Amtsenthebung

Frauenproteste in Brasilien Foto: Screenshot http://www.ocafezinho.com
Im letzten Monat haben sich hunderttausende Frauen auf den Straßen Brasiliens zu Protesten zusammengefunden. Nach der Vergewaltigung an einer 16-Jährigen Ende Mai in Rio de Janeiro, an der über 30 Männer beteiligt waren, fand eine Protestkundgebungen nach der anderen statt. „Por todas elas“ (Für alle Frauen) lautete unter anderem das Motto, gegen Machismus, Sexismus und Gewalt.
„Feminismus“ – Boom auf Google in Brasilien
Die Eingabe des Suchworts „Feminismus“ auf Google in Brasilien verbuchte zwischen Oktober 2015 und Januar 2016 einen Anstieg von 86 Prozent. Immer mehr Frauen haben begonnen sich mit Feministinnen im Land zu identifizieren. Die neue Wortschöpfung „sororidade“ (das Wort gibt es im portugiesischen Wörtrbuch nicht, soll soviel heißen wie Verbundenheit unter Schwestern, sprich Frauensolidarität) ist in die Alltagssprache eingezogen, ist auf dem Blog www.ocafezinho.com zu lesen. Der Beitrag ist die Übersetzung eines Artikels in des britischen „Guardian“. Eine der Gründerinnen der feministischen Gruppe „agora juntas“ (jetzt gemeinsam) analysiert die brasilianische Feministinnen-Szene, nachdem die erste gewählte weibliche Präsidentin des Landes Dilma Rousseff des Amtes enthoben wurde.
Rückschläge für Frauenrechte

In der Interimsregierung Michele Temers sind seit Mitte Mai Rückschläge für Frauenrechte nicht zu übersehen. Keine einzige Frau gehört zu seinem Kabinett an (nur weiße Männer). Gesetzentwürfe sehen vor, dass in der Schule nicht mehr über Gender und sexuelle Orientierung gesprochen werden soll, Abtreibung soll auch für Vergewaltigungsopfer unter Strafe gestellt werden.
Das Gesetz „Maria da Penha“ zum Schutz von Frauen vor häuslicher Gewalt, in Kraft getreten vor 10 Jahren, soll modifiziert werden.
Patriarchalischer Coup
Die Soziologin Maria Betânia Ávila, Forscherin am Feministischen Institut für Demokratie nannte ihren Aufsatz zur Amtsenthebung Dilma Rousseffs „Patriarchalischen Coup“.
Sie attestiert der brasilianischen Feministinnen-Bewegung die Fähigkeit, die Legitimität der ersten gewählten Präsidentin des Landes zu verteidigen: „Das ist eine Konfrontation mit männlichem Chauvinisten und Neoliberalen.“
