Heute ehren die Anhänger des Candomblé und der Umbanda,
verwurzelt in der der afro-brasilianischen Kultur des Landes, die Göttin des Meeres Iemanjá mit Opfergaben am Strand. So feiern die Anhänger in Rio de Janeiro
Sie trägt eine silberne Krone und hält einen silbernen Fächer in der Hand. Sie ist mütterlich, aber auch eitel und spricht dem Luxus zu. Ihre Farben sind Weiß, Hellblau und Rosa. Am 2. Februar wird die Göttin des Meeres als Mutter aller Orixás verehrt. In der Umbanda, einer Religion mit afrikanischen und katholischen Elementen, entspricht sie der Nossa Senhora da Conceição, der »Muttergottes von der unbefleckten Empfängnis«. Iemanjá herrscht nicht nur über das Meer, sondern über die Gewässer allerorts, sie ist auch die Schutzpatronin der Seeleute und Fischer.
Wunschritual am Strand
Es sind in erster Linie Anhänger der Umbanda, knapp 500.000 gibt es von ihnen in ganz Brasilien, die sich am Morgen zum Meer begeben, um der Göttin ihre Gaben zu bringen. Mehrere Prozessionen bewegen sich an diesem Tag durch die Stadt, die »Congregação Espírita Umbandista do Brasil« (CEUB) startet im Stadtteil Estácio im Zentrum. Die Prozession wird von Hymnen und Gesängen begleitet. Vier Meter lang ist das Boot, das hier durch die ganze Stadt getragen wird, gefüllt mit Gaben, die dem Ozean übergeben werden und die die Königin des Meeres erfreuen sollen. Die Göttin der Fruchtbarkeit liebt Geschenke!
Die Göttin liebt Styling
Wenn sie die Gaben annimmt, sprich das Meer sie nicht wieder an den Strand zurückspült, wird der Wunsch des Schenkenden erfüllt, andernfalls, heißt es, hat die Göttin abgelehnt. Es ist auch nicht wichtig, ob man grundsätzlich gläubig ist, Hauptsache, der Wunsch wurde im Glauben ausgesprochen. Hunderte huldigen der Göttin des Meeres in langen weißen Gewändern, viele mit einem Turban auf dem Kopf. Neben jeder Menge Blumen werden auch Parfum, am besten Lavendel, Puppen, Kämme und Schminkutensilien akzeptiert, eigentlich alles, was eine Frau braucht, um sich schön zu machen. Auch am 31. Dezember schenken viele weiß gekleidete Cariocas der Meeresgöttin weiße Blumen. Auch das bringt Glück.
Einer von 111 „Orten in Rio de Janeiro, die Sie gesehen haben müssen„, englische Ausgabe

